Salons & Wohnräume

Repräsentative Räume und private Wohnwelt

Auch die Salons, in denen Eberhard XV. seine Sammlungen aufbewahrte, dienten der gräflichen Familie als Wohnräume. Sie spiegeln allerdings eine verbürgerlichte Wohnkultur des Adels im 19. Jahrhundert wider und dienten nicht mehr zur Repräsentation in einem höfischen Zeremoniell.

Alle Salons wurden – soweit vorhanden – anhand von Originalfotografien rekonstruiert und entsprechen der Zeit um 1860. Eberhard möblierte die Räume mit Möbeln und kunsthandwerklichen Objekten, die er teils im Schlosse vorgefunden hatte, teils zur Sammlungsergänzung erwarb. Ganz im Sinne des Historismus machte er dabei keine Unterschiede zwischen originalen Antiquitäten und Neuschöpfungen seiner Zeit, sofern sie kunstfertig waren. So kommt es zu der ungewöhnlichen Mischaufstellung, bei der kunsthandwerkliche Objekte vergangener Jahrhunderte gleichberechtigt ihren Platz zwischen Erzeugnissen des 19. Jahrhunderts finden. 

Oraniersaal

Der Oraniersaal.

Der als Speisesaal genutzte Oraniersaal zeigt die für den Historismus typische Mischaufstellung der Möbel. Durch die Gemälde wird die verwandtschaftliche Verbindung zum Hause Oranien-Nassau (Niederlande und Liechtenstein) und damit ein dynastischer Anspruch dokumentiert.

Bemerkenswert sind die beiden Buffets, die im 19. Jahrhundert unter Verwendung von vorgefundenen Schnitzereien aus Eger (17. Jh.) gefertigt wurden. Weiter finden sich im Oraniersaal verschiedene Kabinettschränkchen sowie Glas und Keramik vom 16. bis zum 19. Jahrhundert.

Die beiden Notenpulte stammen aus dem Kloster Roth (Sockel vermutlich hinzugefügt).

Chinesisches Zimmer

Das chinesische Zimmer.

Chinesisches Porzellan gehörte zu den Lieblingssammelgebieten des 18. Jahrhunderts. Porzellankabinette waren in allen Schlössern üblich, für Erbach ist ein solches jedoch nicht überliefert. Aufgrund der umfangreichen Sammlung, die durch Graf Eberhard XV. im 19. Jahrhundert ergänzt wurde, ist dies allerdings zu vermuten.

Der neugotische Ofenschirm war ein Hochzeitsgeschenk des Grafen Erbach-Schönberg an Graf Eberhard XV. und seine Frau Clothilde (1843). Es zeigt den Erbacher Schenken Erasmus in Turnierrüstung.

Die goldenen Elemente der Wanddekoration stammen aus der Zeit um 1780, als Graf Franz I. diese Räume neu herrichten ließ.

Grüner Salon

Im grünen Salon ist die Sammlung antiker griechischer und unteritalischer Vasen ausgestellt.
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Die Möbel und die Wandbespannung in diesem Raum gehören zur Originalausstattung des Schlosses um 1790. Die hellgrünen Seidentapeten stammen aus Lyon (Frankreich).

Die Sammlung antiker griechischer und unteritalischer Vasen geht auf Graf Franz I. zurück. Sein Enkel Eberhard XV. fasste die Sammlung zusammen und präsentierte diese auf der Etagere.

Der barocke Schreibschrank mit Fruchtholz- und Perlmuttintarsien stammt aus dem Besitz der Mutter von Graf Franz I., Gräfin Leopoldine, aus dem frühen 18.Jahrhundert.

Bemerkenswert ist auch der sehr schön gearbeitete Parkettfußboden.

Roter Salon

Der Roter Salon.

Die Wandbespannung und die Möblierung gehören zur Schlossausstattung um 1780/90.

Der Raum liegt am linken äußeren Ende des Schlosses (vom Marktplatz aus gesehen), eine Scheintür am Ende der Enfilade vermittelt den Eindruck, als ob sich noch weitere Räume anschlössen.

Das Porträt über dem Durchgang zum „Paradeschlafzimmer“ zeigt den höchstrangigen von insgesamt 33 Taufpaten von Graf Franz I.,den Kaiser Franz Stephan von Habsburg-Lothringen.

Bemerkenswert ist auch hier der schöne Parkettfußboden, die Windrose ist allerdings aufgemalt.

Ehemaliges Paradeschlafzimmer

Aufgrund der barocken Architektur des Schlosses lässt sich vermuten, dass der an den Roten Salon anschließende Raum  ursprünglich ein Schlafzimmer gewesen ist.

Über dem Bibliotheksschrank hängen Bilder von Graf Franz I. und seinen beiden Söhnen, Karl (vom Betrachter aus gesehen links) und Friedrich, die beide beim Militär dienten.

Die Dame in Schwarz ist die zweite Frau von Graf Franz I., Gräfin Charlotte Luise von Wartenberg. Sie begleitete Graf Franz I. auf seiner zweiten Italienreise im Jahr 1791.

Die Schnitzarbeiten im Bibliotheksschrank stammen von Graf Franz I., der die Tradition der Elfenbeinschnitzerei im Odenwald begründet hat.

"Grand Cabinet"

Das Grand Cabinet.

Der Salon vermittelt mit seinem Mitteltisch und den darum gestellten Sitzmöbeln einen Einblick in die private Wohnwelt einer Adelsfamilie im 19. Jahrhundert. Nicht Repräsentation, sondern das familiäre Zusammensein war im 19. Jahrhundert in den Mittelpunkt des häuslichen Lebens gerückt. Auch die Porträts sind der Familie gewidmet. Sie zeigen Eberhard XV., seine Frau Clothilde und 8 von 9 Kindern des Paares.

"Petit Cabinet"

In diesem Verbindungsraum, in der barocken Disposition vermutlich ein Wartezimmer für Diener, hängt ein großes Familienbild, welches den Grafen Franz I. mit seinen sieben Kindern (5 Mädchen, 2 Jungen) zeigt. Es wurde 1785 nach dem Tod der ersten Gemahlin, Gräfin Luise Charlotte von Leiningen, die im Medaillon dargestellt ist, von dem aus Leiningen stammenden Maler Johann Adam Schlesinger gemalt.

FÜHRUNGEN GRÄFLICHE SAMMLUNGEN

Besichtigung nur mit Führung möglich. Die Schlossräume sind nicht beheizt.

März bis Oktober
Montag - Freitag: 11.00, 14.00 und 16.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00, 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr
Sonntags 16.00 Uhr: Öffentliche Führung mit Themenschwerpunkt Antikensammlung

November, Dezember (außer Adventswochenenden) und 1. bis 6. Januar
Täglich: 14.00 Uhr
Geschlossen: 24., 25. und 26. Dezember

Adventswochenenden
Freitag - Sonntag: 14.00, 15.00, 16.00 und 17.00 Uhr

Januar bis Dezember
Individuelle Führungen durch die Gräflichen Sammlungen und in der Hubertuskapelle mit dem Schöllenbacher Altar sind nach Voranmeldung ganzjährig zum Wunschtermin möglich.